Das Rathaus von Marne: Ein neugotisches Wahrzeichen der Dithmarscher Südermarsch

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Mitten im Herzen von Marne, der gemütlichen Kleinstadt im Kreis Dithmarschen, steht ein Gebäude, das die Geschicke der Gemeinde seit über einem Jahrhundert bündelt: das Rathaus. Errichtet in den Jahren 1914/1915, gehört es zu den markantesten Bauwerken der Region und ist bis heute das verwaltungstechnische Zentrum der Stadt und des Amtes Marne-Nordsee.

 

Eine Stadt im Umbruch

Um die Geschichte des Rathauses zu verstehen, lohnt ein Blick auf die Entwicklung Marnes um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Der Ort, dessen Name sich vom altsächsischen Begriff für „Siedlung am hohen Ufer" ableitet und im 12. Jahrhundert als Myrne erstmals erwähnt wurde, war nach der Eingliederung Dithmarschens in die preußische Provinz Schleswig-Holstein im Jahr 1867 deutlich gewachsen. Neben Meldorf erhielt Marne damals eine eigene Verwaltungsfunktion, die der Stadt neuen administrativen Schwung verlieh.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts veränderte sich das Ortsbild dann entscheidend. Innerhalb weniger Jahre entstanden zwei Bauwerke, die das Stadtbild bis heute prägen: die evangelische Maria-Magdalenen-Kirche (1904–1906) und das neue Rathaus (1914/1915). Beide wurden in unmittelbarer Nähe zueinander errichtet – die Kirche auf Marnes höchstem Punkt, der Kirchwurt, das Rathaus daneben. Gemeinsam bilden sie seitdem das architektonische Herz der Stadt.

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Die Zuckerfabrik St. Michaelisdonn

32371997590 Zuckerfabrik Blickwinkel aus Westdorf

Die Zuckerfabrik St. Michaelisdonn: Als der „Donn" süß wurde

Wer heute durch Sankt Michaelisdonn geht, ahnt wenig davon, dass hier einmal Dampf und Sirupgeruch über dem Ort hingen. Dabei stand im Zentrum der Gemeinde über hundertfünfzehn Jahre lang einer der wichtigsten Industriebetriebe Süderdithmarschens: die Zuckerfabrik St. Michaelisdonn — offiziell Zuckerfabrik Süderdithmarschen AG. Sie war nicht nur Großarbeitgeber für Generationen von „Donner" Familien, sondern der Knotenpunkt, an dem ländliche Wirtschaft, Eisenbahn und technischer Fortschritt zusammenkamen.

Eine Fabrik aus dem Katalog

Die Geschichte beginnt am 27. März 1880, als die Zuckerfabrik St. Michaelisdonn gegründet wurde. Schon ein Jahr später, 1881, standen die Fabrikgebäude — errichtet von der Braunschweigischen Maschinen-Bauanstalt (BMA), die nicht nur die Maschinen lieferte, sondern den kompletten Betrieb schlüsselfertig plante. Das war im 19. Jahrhundert ein gängiges Modell: BMA baute Zuckerfabriken quasi aus dem Katalog. Das Startkapital betrug 432.400 Mark — für die damalige Zeit eine beträchtliche Summe.

Zehn Jahre später, 1891, wurde die Anlage durch den Ingenieur A. Wernicke bereits umgebaut und erweitert. Der Dithmarscher Rübenanbau lief offenbar so gut, dass die Kapazität bald nicht mehr ausreichte. 1922 lieferte die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) eine neue Dampfmaschine — ein Zeichen dafür, dass der Betrieb auch nach Inflation und Weltkrieg weiter modernisiert wurde.

Die Rüben kamen mit der Bahn

 

Die Zuckerrüben, die in der Michaelisdonner Fabrik verarbeitet wurden, wuchsen auf den fetten Böden der Südermarsch und der umliegenden Köoge. Und sie kamen mit der Bahn — auf jener Stichstrecke, die 1884 von St. Michaelisdonn nach Marne und später bis Friedrichskoog verlängert wurde.

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Der Hafen von Marne: Als Neufeld das Tor zur Welt war

Wer heute durch Marne schlendert, spürt vom Meer wenig. Die Stadt liegt mitten in der Südermarsch, geschützt von Deichen, umgeben von Poldern und Wiesen. Doch nur wenige Kilometer westlich, in Neufeld, mündete einst dasTor Dithmarschens zur Welt: ein lebendiger Hafen an der Elbmündung, Heimat einer stattlichen Fischereiflotte und Umschlagplatz für die Ernten der ganzen Region. Heute ist davon nur noch ein idyllischer Sportboothafen geblieben — und eine Geschichte, die man kaum noch glaubt.

Land aus dem Meer

Dass es hier überhaupt einen Hafen gibt, ist das Ergebnis jahrhundertelanger Landgewinnung. Das heutige Gemeindegebiet von Neufeld lag einst vollständig in der Nordsee. Schritt für Schritt wurde das Land durch Eindeichungen gewonnen — als Teil des Goldenen Rings, jener großen Deichanlage, die im 16. Jahrhundert die Südermarsch sicherte. Der Marner Neuenkoog, 1608 eingedeicht, bildete das Fundament, auf dem später der neue Ortskern mit dem Fischerhafen entstand.

 

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Auf den Spuren der Marschenbahn: Als der Zug noch bis Friedrichskoog fuhr

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Wer heute an einem Sommertag zwischen Sankt Michaelisdonn und Marne auf der Draisine in die Pedale tritt, bewegt sich auf einem Stück lebendiger Dithmarscher Geschichte. Unter den Rädern liegen die Gleise einer Bahnstrecke, die einst das Herz der Südermarsch erschloss — und die bis tief ins 20. Jahrhundert hinein das Leben zwischen Geestrand und Nordseeküste prägte. Die Rede ist von der Marschenbahn, jener 21 Kilometer langen Verbindung von Sankt Michaelisdonn über Marne bis Friedrichskoog.

Eine Strecke für die Zuckerrübe

Die Geschichte der Marschenbahn ist vor allem eine Geschichte des ländlichen Transports. Als die Holsteinische Marschbahngesellschaft in den 1870er Jahren die Hauptstrecke Hamburg–Westerland (die heutige Marschbahn) durch die Niederungen schob, dachte man nicht zuletzt an einen cumbersome Nebenstrang: den Abzweig von Sankt Michaelisdonn in die Südermarsch. Die Gegend war fruchtbar, aber schwer erreichbar — Zuckerrüben und landwirtschaftliche Güter mussten bis dahin mühsam mit Fuhrwerken über die buckligen Marschwege transportiert werden.

1881 war es so weit: Die Teilstrecke Sankt Michaelisdonn–Marne wurde fertiggestellt. Wenig später, am 15. Oktober 1884, folgte die Verlängerung bis nach Friedrichskoog, der damals jüngsten Köog-Bildung an der Nordseeküste. Der Ort selbst war nach dem dänischen König Friedrich VII. benannt und hieß ursprünglich Friedrich VII. Koog — daher auch die offizielle Stationsbezeichnung „Friedrichskoog III". Nur zwei Tage später gingen zwei kleine Stichstrecken zu den Ladestellen Kronprinzenkoog Süd und Norderfleth in Betrieb.

Vom Güterzug zum Personenzug

Dass es zwischen Marne und Friedrichskoog erst spät richtigen Personenverkehr gab, verrät viel über den Charakter der Strecke. Erst zum 1. Oktober 1898 nahm die Bahn hier den regelmäßigen Personenverkehr auf — gut 14 Jahre nach Eröffnung. Vorher rollten überwiegend Güterzüge über die Gleise: Saatgut und Dünger für die jungen Köge hinein, Getreide und Rüben wieder hinaus. 1890 wurde die Holsteinische Marschbahngesellschaft verstaatlicht, die Strecke ging in preußische Hand über.

Über Jahrzehnte war die Marschenbahn ein verlässlicher Taktgeber der Region. Zwischen Sankt Michaelisdonn und Marne verkehrten täglich sechs bis acht Personenzugpaare, zwischen Marne und Friedrichskoog immerhin noch drei. Wer in Marne zur Schule ging, in Marner Lagern einkaufte oder an die Küste reiste, stieg in den Zug.

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